Versuchsprotokoll – so wird wissenschaftlich protokolliert

Jeder, der in der Schule in Biologie, Chemie oder Physik einmal ein Experiment durchgeführt hat, musste dazu in der Regel auch ein Versuchsprotokoll erstellen. Das Versuchsprotokoll umfasst die komplette Durchführung eines solchen wissenschaftlichen Experiments und die dazugehörige Dokumentation des gesamten Prozesses von der Ausgangsfrage bis hin zur Auswertung. Wichtiger Bestandteil dabei sind außerdem die einzelnen Beobachtungen. Abseits der Schule gehören Versuchsprotokolle aber auch zu anderen Experimenten, Forschungsbereichen und Studien wie etwa in der Soziologie.

Wer dahingehend arbeitet, sollte also wissen, wie er ein Versuchsprotokoll fachgerecht anfertigt, sodass es auch tatsächlich einen wissenschaftlichen Wert und selbst Gegenstand von Forschungen sein kann. Nicht zuletzt da es mitunter Hauptbestandteil von Studienarbeiten wie der Bachelor- oder Masterarbeit sein kann. Worauf kommt es also an?

Der generelle Aufbau bei einem Versuchsprotokoll

Im Grunde umfasst ein Versuchsprotokoll stets sieben einzelne Punkte, die als solche auch geteilt von einander zu behandeln und zu protokollieren sind. Der erste Punkt ist das Thema beziehungsweise die Fragestellung, also das, worum es in dem Experiment geht und welche Frage beantwortet werden soll. Als zweites wird die Hypothese oder auch mehrere Hypothesen aufgestellt, die es im Vorfeld zu überlegen gilt. Drittens gilt es detailliert die verwendeten Materialien aufzulisten und gegebenenfalls genau zu beschreiben.

Viertens betrifft die Dokumentation des Versuchsaufbaus sowie damit in Verbindung, fünftens, die Durchführung des Versuchs oder Experiments. Schon währenddessen sind sämtliche Beobachtungen festzuhalten und gegebenenfalls Daten und Messwerte zu notieren, welche unter dem sechsten Punkt aufgelistet werden. Final folgt der siebte und letzte Punkt – die Auswertung. Die Auswertung nimmt Bezug auf die getroffene Hypothese und umfasst die Deutung, Erklärung oder Interpretation der getroffenen Beobachtungen. Unter Umständen ist hierbei außerdem eine Fehleranalyse aufzuschreiben.

Vielfältige Anwendbarkeit

Wie wichtig das Know-How für ein ordentliches und wissenschaftlich belastbares Versuchsprotokoll ist, zeigt die weitreichende Anwendungsvielfalt dieses Prozesses. Wie erwähnt, finden einmal gefertigte Versuchsprotokolle im naturwissenschaftlichen Bereich wiederholt Verwendung, indem auch in späteren Forschungen auf sie eingegangen wird. Darüber hinaus betreffen Versuche, Experimente und deren Protokollierung große Teile der Gesellschaft, wenn sie etwa in der Pharmazie und Medizin stattfinden.

Darüber hinaus finden in der Industrie und Wirtschaft vielfach Prüfungen der Qualität und Wirkung von Produkten statt, um zu belegen, ob sie den gesetzlichen Anforderungen entsprechen oder ob sie gar schädliche Effekte haben. Somit sind Versuchsprotokolle ein wichtiges Instrument der Qualitätssicherung und der Zulassungsprüfung und überdies ein Bestandteil verschiedener Berufsgruppen und deren Ausbildung.

Sind Muster aus dem Internet sinnvoll?

Gewiss gibt es für unzählige Experimente und Versuche, speziell jene aus dem Schulbereich, online bereits zahlreiche Beispiele und demzufolge auch fertige Muster für ein Versuchsprotokoll. Zwar kann ein solches durchaus als Beispiel und Leitfaden dienen, ersetzt jedoch kaum eine eigens gefertigte Dokumentation. Nicht zuletzt da schon bei den Materialien und dem Aufbau ganz individuelle Aspekte und Unterschiede ausschlaggebend sind, kann das Kombinieren eines Musterbeispiel mit den eigenen Aufzeichnungen zu diffusen Resultaten führen. Im Endeffekt ist die Auswertung des Protokolls dann nicht belastbar.

Besser gänzlich selbst anfertigen

Stattdessen empfiehlt es sich also stets von Grund auf eigene Aufzeichnungen anzufertigen. Sowohl für Biologie, Chemie, Physik und fast alle anderen Themengebiete eignet sich ohne weiteres ein gängiges Schreibprogramm wie Microsoft Word beziehungsweise für bestimmte Versuche auch Excel. Natürlich ist es ebenso möglich ganz klassisch Stift und Papier zu nutzen, jedoch bietet die digitale Protokollierung ausschließlich Vorteile. Mittels Formelfunktionen der genannten Programme kann etwaigen Rechenfehlern vorgebeugt werden und unterschiedliche Formatierungen erlauben zudem eine bessere Übersichtlichkeit.

Falls grafische Komponenten notwendig sind, so erlaubt Word beispielsweise auch dafür das Einfügen von Vektoren, Pfeile, Symbolen und Formen von Haus aus. Überdies können komplexere Handzeichnungen, etwa für den Aufbau eines Versuchs, jederzeit eingescannt und als Grafik an der entsprechenden Stelle eingefügt werden. Im Gesamtergebnis entsteht ein sauberes und übersichtliches Versuchsprotokoll, in dem Rechenfehler allenfalls aufgrund falscher Eingaben entstehen.

Sonderpunkte beachten

Abschließend ist noch aufzuführen, dass ein Experiment auch aus mehreren zusammenhängenden oder aufeinander aufbauenden Teilexperimenten beziehungsweise -versuchen bestehen kann. In solchen Fällen ist es sinnvoll, die Punkte Materialien, Aufbau, Durchführung und Beobachtungen jeweils für jeden Teilversuch einzeln zu protokollieren und anschließend eine zusammenfassende Auswertung zu treffen.

Des Weiteren ist darauf zu achten, ob ein Versuchsprotokoll von anderen Quellen und Literatur Gebrauch macht. Insbesondere bei komplexen Protokollen, etwa während des Studiums, könnte beim Formulieren der Hypothesen beispielsweise Bezug auf Fremdliteratur genommen werden. In jenem Fall muss auf korrekte Zitate beziehungsweise Fußnoten geachtet werden und es gehört als letzter Punkt eine Literatur- und Quellenangabe zum Protokoll – ganz so, wie sie auch bei sonstigen wissenschaftlichen Arbeiten erfolgt.

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Dieser Beitrag wurde am 7. April 2021 veröffentlicht.